Wie wenig reicht? Strategie zur Verpackungsvermeidung bei Freiland Puten

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Kunststoffe sind derzeit in aller Munde – und das nicht nur verbal. Microplastik ist in allzu vielen Gewässern zu finden und kommt so über Fische, Meeresfrüchte und über Algen auch auf den Teller der VerbraucherInnen. Und: Die Deutschen sind Verpackungsweltmeister 2017. Allein in Deutschland werden jedes Jahr 15 Mio Tonnen Plastik verbraucht. Für Flaschen, für Tüten, für Strohhalme und für Einweggeschirr. Die Liste ist nicht vollständig …

Das Problem ist nicht neu. Wir haben deshalb schon im Jahr 2002 damit begonnen, die Menge der mineralölbasierten Verpackung durch die Verwendung einer dünneren Folie durch Kombination mit einem FSC-zertifizierten Recyclingkarton zu verringern. So sparen wir bei der Fleischverpackung jedes Jahr über 7.000 ltr Erdöl durch die dünnere Folie ein. Auch bei der Wurstverpackung haben wir durch ein kleineres und leichteres Format eine Vermeidung von 3.500 ltr. Erdöl. Macht pro Jahr also mind. 10.500 ltr. Erdöl und in 10 Jahren schon mind. 105.000 ltr. Erdöl.

Das ist auch ein Grund dafür, weshalb wir nur so wenig MAP-Schalen wie möglich einsetzen. Die Verpackung für Produkte, die unter Schutzatmosphäre in den Handel kommen, sind von Haus aus größer, dicker und lassen relativ viel Luft zwischen Produkt und Verpackung. Im Vergleich zu unserer Vakuumfolie ist für den gleichen Inhalt 2,5 mal mehr Kunststoff verbraucht worden.

Auch die immer moderner werdenden Skinverpackungen (eng am Produkt anliegend, wie eine zweite Haut) sind verpackungsintensiver. Auch hier zeigt der Vergleich zu unserer Vakuumfolie, dass beinahe 2 mal mehr erdölbasierte Folie verbraucht wird. Natürlich sieht das schick aus und lässt das Produkt rein optisch viel besser zur Geltung kommen. Die Frage ist ob uns die Nachteile bei den Mengen des zurückbleibenden Verpackungsmülls die bessere Optik wert sind.

Aktuell haben wir eine Wurstverpackung im Testlauf, bei welcher die sog. Unterfolie aus bis zu 70 % Papierfasern besteht. Die Trennung dieser mehrschichtigen Folie ist relativ kompliziert. Nur in speziellen Anlagen kann die Papierfaser herauskompostiert und vom Kunststoffanteil getrennt werden. Wir stellen aber hier die Frage, ob nicht jeder vermiedene Liter Öl, den man nicht zur Herstellung von Folie verwendet, nicht ein guter Liter Öl ist.

Die derzeit angebotenen Verpackungen aus Maisstärke sind technologisch leider noch nicht für Produkte geeignet, die eine gewisse Feuchtigkeit mit sich bringen, wie unser Fleisch und unsere Wurst. Darüber hinaus konnte noch keiner der Anbieter eine GVO-Freiheitsbestätigung vorlegen. Eine Verpackung, die aus GVO-Mais hergestellt wurde möchten wir jedoch auf keinen Fall verwenden.

Welche weiteren Alternativen gibt es derzeit? Es werden Kartons angeboten, die einen Teil des eingesetzten Holzes durch Grasfasern ersetzen. Diese Variante ist noch in der Erprobung und derzeit noch nicht praxisreif. Und bestimmt sind auch bei der Pflanzenstärke noch nicht alle Mittel ausgereizt. Durch die Mitarbeit in Fachgremien auf Verbandsebene versuchen wir unseren Input in die Diskussion zu bringen und gleichzeitig von den Erfahrungen der KollegInnen zu profitieren. Hier ist noch viel Luft nach oben und wir wollen dabei sein, dieses Potenzial auszuloten und zu nutzen.

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